Fischzucht

Die Rolle der kaiserlichen Fischzucht

Heute hat die kaiserliche Fischzucht ihre ursprüngliche Bestimmung wieder gefunden: Die Produktion des Atlantischen Lachs zur Wiederbesiedlung des Rheins und seiner Nebenflüsse.

Die Wiedereinführung des Lachses wird vom Verein Saumon Rhin koordiniert.

Die Lachsaufzucht in der Petite Camargue Alsacienne beinhaltet folgende Etappen:

  1. Aufzucht von Elterntieren
  2. Ausbrüten der Eier
  3. Aufzucht der Larven, Erlernen der Futteraufnahme
  4. Anfüttern der Setzlinge

 

1- Die Eier, die in der Fischzucht bebrütet werden, stammen von Elterntieren, die in Süßwasser-Becken gehalten werden.
Die Reproduktion findet unter Berücksichtigung des natürlichen Laichrhythmus im Monat November und Dezember statt. Das Abstreifen der Eier und der Samen findet unter Narkose statt, um den Stress für die Fische zu reduzieren.
Die Eier und Samenzellen werden anschließend vermischt und somit die Befruchtung ermöglicht.

2- Die befruchteten Eier werden in Brutkörben mit 8 bis 10 Grad warmen Wasser aufbewahrt. Nach einem Monat sind bereits die Augen der Embryonen sichtbar. Vierzehn Tage später, im Januar / Februar, brechen die Eier auf.

Foto: die Eier des Atlantischen Lachses mit 6 mm Durchmesser
3- Die Larven bleiben ungefähr 40 Tage im 10 Grad warmen Wasser gut geschützt zwischen den Stäbchen der Noppenmatte. Sie leben - ohne Nahrung aufzunehmen - nur von ihren Reserven. Diese befinden sich im gelblichen Dottersack unterhalb ihres Körpers. Nach und nach wird der Dottersack aufgebraucht und bildet sich zurück.

Am Ende dieser Phase wird ein Teil der jungen Zuchtfische in natürliche Gewässer ausgesetzt. Ein anderer Teil der Jungfische bleibt in der Petite Camargue. Bei ihnen wird mit der Fütterung begonnen.
4- Die angefütterten Zuchtfische werden zwischen Mai und Juli freigelassen; dabei sind sie zwischen vier und sechs Zentimeter groß. Die allerletzten Lachse werden in der Entwicklungsphase „Pre-Smolt“ in die Freiheit gelassen. Das ist die Phase, in der die Metamorphose (Smoltifizierung) beginnt, während der sich die Fische darauf vorbereiten, den Fluss hinab zu schwimmen und in die Nordsee zu wandern. Sie sind 10 bis 15 cm groß und nehmen langsam die silberne Farbe eines Meeresfisches an. Der bestimmende Faktor, ob ein Lachs ins Meer wandern kann oder nicht, ist seine Größe. Wenn der Lachs im Frühjahr nicht mindestens eine Größe von 12 Zentimetern erreicht hat, muss er noch ein Jahr im Fluss verbringen. Er wartet also auf ein Hochwasser im nächsten Frühling, das ihm helfen wird, ins Meer zu gelangen.

Lebenszyklus des atlantischen Lachses

1. Die Lachse steigen in den Monaten Juli bis November in den Flüssen auf. Die größeren beginnen ihre Wanderung erst im Herbst, wenn die Flüsse am meisten Wasser führen. Sie wandern mehrere hundert Kilometer, um zu den Laichplätzen am Oberlauf des Rheins zu gelangen.

Das Weibchen sucht einen geeigneten Platz, wo sie ihre Laichgrube mit der Schwanzflosse graben kann. Der Laichplatz muss aus kiesigem Untergrund bestehen und mit sauerstoffreichem Wasser guter Qualität versorgt sein. Ein Grossteil der Lachse stirbt nach dem Laichen. Nur wenige Lachse kehren ins Meer zurück. Die Reproduktion dauert von Mitte November bis Mitte Januar.

Ein Weibchen kann pro Kilogramm Körpergewicht 2000 Eier produzieren. Das bedeutet, dass ein Weibchen von 4 kg Gewicht 8000 Eier ablegen kann, also ungefähr ein Viertel ihres Gewichtes.

2. Die Junglachse verbringen ein bis zwei Jahre in diesen Gewässern. Sie sind in diesem Entwicklungsstadium perfekt an das Leben im Süßwasser angepasst. Sie ernähren sich von Insektenlarven (Eintagsfliegen, Köcherfliegen), Süßwasserkrebsen oder von kleinen Fischen wie der Elritze, Schmerle oder Groppe.

3. Am Anfang des Frühlings macht der Jungfisch eine Reihe von äußeren und inneren Veränderungen durch, um schließlich zu einem „Smolt“ zu werden. Am Ende dieser  Metamorphose ist der Smolt für das Leben im Ozean gewappnet. Nach einem kurzen Aufenthalt an der Mündung des Flusses, wo er sich an das salzhaltige Wasser gewöhnt, siedelt er in den Ozean um.

4. Im Meer angekommen, schwimmt der Lachs zur Nahrungssuche 25 bis 50 Kilometer pro Tag. Er ernährt sich hauptsächlich von kleinen Fischen (Heringe, …). In dieser Phase kann der Lachs bis zu 50 cm pro Jahr wachsen.

5. Nur 3 bis 20 % der Lachse kehren aus dem Ozean in ihre Heimatgewässer zurück. Der Anteil der Rückkehrer variiert sehr stark von Jahr zu Jahr. Die Mechanismen, die die Lachse zur Orientierung benutzen, sind noch nicht vollständig erforscht. Es wird angenommen, dass sie sich anhand des Sonnenstandes, des Erdmagnetfeldes und des Geruchssinns orientieren.